Neue Forschungsplattform für die Mobilitätsforschung – der Porsche 911 GT3 RS erweitert das Untersuchungsspektrum der Nachwuchsforschergruppe MofoSa um Szenarien individueller Hochleistungsmobilität. (Bildquelle: Matthias Vodel)

Die Nachwuchsforschergruppe Mobility for Saxony (MofoSa) der Hochschule Mittweida erweitert ihre Forschungsinfrastruktur um eine neue Forschungsplattform: Ein Porsche 911 GT3 RS befindet sich nun im Eigentum der Hochschule Mittweida und wird künftig für wissenschaftliche Messkampagnen, Datenerhebungen und begleitende Simulationsstudien eingesetzt. Die mit dem Fahrzeug verbundenen Kosten trägt das Living Lab der Hochschule. Das Fahrzeug ergänzt die bestehende Forschungsinfrastruktur der Fakultät Angewandte Computer- und Biowissenschaften und wird eng mit dem Living Lab „Motion Simulation und Softwareentwicklung“ verzahnt.

Gezielte Wahl auf Extreme

Auf den ersten Blick mag der Sportwagen nicht zum erklärten Ziel von MofoSa passen – dem Aufbau eines belastbaren Mobilitätsdatensatzes für den kleinstädtischen und ländlichen Raum Sachsens. Tatsächlich schließt das Fahrzeug jedoch eine methodische Lücke. Mobilität wird im Projekt entlang mehrerer Dimensionen beschrieben: Antriebsart, Bereitstellungskonzept und Nutzungsart. In allen drei Dimensionen belegt das neue Forschungsfahrzeug eine Randposition, für die bislang kaum systematisch erhobene Daten vorliegen.

„Ein Datensatz, der ausschließlich den Durchschnitt abbildet, ist für die Validierung von Modellen nur begrenzt tauglich“, erklärt Prof. Dr. Vodel , einer der beteiligten Professoren. „Wir brauchen die Ränder des Spektrums – das Lastenrad genauso wie ein Fahrzeug, das konsequent auf Fahrdynamik und Fahrerinteraktion im Grenzbereich ausgelegt ist. Die neue Plattform liefert uns Referenzwerte, an denen wir unsere Erhebungs- und Verarbeitungspipeline unter maximaler Datendichte prüfen können.“

Spezifische Einsatzszenarien im Fokus

Das Fahrzeug unterscheidet sich in seinem Nutzungsprofil grundlegend von einem Alltags- oder Pendlerfahrzeug. Charakteristisch sind geringe Jahresfahrleistungen, ausgeprägte Saisonalität, ein hoher Anteil an Freizeit- und Veranstaltungsfahrten sowie ein Nutzungsmix aus öffentlichem Straßenraum und geschlossenen Strecken. Genau diese Szenarien sollen im Rahmen von MofoSa erstmals strukturiert erfasst und analysiert werden. Im Mittelpunkt stehen unter anderem:

  • Hochfrequente Telemetrie- und Sensordatenerfassung unter dynamischen Randbedingungen und ihre Aufbereitung in der projekteigenen Datenpipeline
  • Fahrer-Fahrzeug-Interaktion bei hoher kognitiver und physischer Beanspruchung, insbesondere im fahrdynamischen Grenzbereich
  • Digitale Zwillinge von Fahrzeug und Strecke sowie die Übertragung realer Fahrdaten in immersive Simulationsumgebungen des Living Labs
  • Nutzungs- und Bereitstellungskonzepte jenseits des klassischen Besitzmodells – von Zweitfahrzeug- und Sammlernutzung bis zu event- und trackbezogenen Sharing-Ansätzen
  • Energetische und ökologische Einordnung einer Fahrzeugklasse, deren Umweltwirkung sich wegen der geringen Fahrleistung nicht über konventionelle Verbrauchskennwerte abbilden lässt

„Individuelle Mobilität ist mehr als der Weg zur Arbeit“, ordnet Josefine Welk, M.Sc. und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, ein. „Emotionale, erlebnisorientierte und sportlich geprägte Mobilität ist ein realer Bestandteil des Verkehrsgeschehens – gerade in einer Region mit ausgeprägter Automobiltradition. Wenn wir ein vollständiges Bild sächsischer Mobilität zeichnen wollen, müssen wir dieses Segment mit derselben methodischen Sorgfalt behandeln wie alle anderen.“

Nächste Schritte

In einem ersten Arbeitspaket wird das Fahrzeug messtechnisch vorbereitet und an die Datenerfassungsinfrastruktur der Hochschule angebunden. Anschließend sind wissenschaftliche Messkampagnen sowie ein fachlicher Austausch mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis vorgesehen. Die gewonnenen Daten werden über eine komplexe Anonymisierungs-Pipeline datenschutzrechtlich korrekt archiviert(LINK auf Presseartikel Max) und können anschließend auch unmittelbar in weiteren Forschungsprojekten des Living Labs genutzt werden. Darüber hinaus stehen die Daten für Studien-, Projekt- und Abschlussarbeiten sowie für die Promotionsvorhaben der Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher zur Verfügung

Die Tätigkeiten ordnen sich in die bestehenden Forschungs- und Transferaktivitäten der Hochschule Mittweida im Bereich Fahrdynamik, Telemetrie und immersive Simulation ein und stärken den wissenschaftlichen Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschule und Praxis.

Über MofoSa

Die ESF-Nachwuchsforschergruppe Mobility for Saxony (MofoSa) wird an der Fakultät Angewandte Computer- und Biowissenschaften der Hochschule Mittweida bearbeitet. Ziel des Vorhabens ist die Erhebung eines sächsischen Mobilitätsdatensatzes für den kleinstädtischen und ländlichen Raum sowie die Qualifizierung der beteiligten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Rahmen von Promotionsvorhaben. Beteiligte Professoren sind Prof. Dr. Christian Roschke, Prof. Dr. Matthias Baumgart, Prof. Dr. Marc Ritter und Prof. Dr. Matthias Vodel. Laufzeit: 01.11.2025 – 30.10.2028.

Das Vorhaben wird mitfinanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) und des Freistaates Sachsen.

Wenn Sie mehr über das Projekt, die Ergebnisse und das Living Lab lernen wollen, wenden Sie sich gern an Prof. Dr. Matthias Vodel, Tel. +49 3727 58-1010, E-Mail: vodel@hs-mittweida.de.

Weitere Informationen zum Projekt Mobility for Saxony finden Sie unter: https://mofosa.hs-mittweida.de/